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Nächstenliebe als Fundament

Fastenpredigt zu Katharina Kasper und Richard Henkes
Nächstenliebe als Fundament
Nächstenliebe als Fundament
Pater Alexander Holzbach als Besuchermagnet: Im fast voll besetzten Limburger Dom predigte er über zwei mutige und Mutmachende Westerwälder. © Lanz/ Bistum Limburg

Mut, Nächstenliebe und Widerstand: In seiner Fastenpredigt am Sonntag, 31. März, im fast voll besetzten Limburger Dom hat Pater Alexander Holzbach über zwei „berühmte“ Ordenschristen aus dem Westerwald gesprochen: Über die Heilige Katharina Kasper von den Dernbacher Schwestern und über den bald Seligen Pallottinerpater Richard Henkes.

Die im vergangenen Jahr heiliggesprochene Katharina Kasper hat sich im 19. Jahrhundert im Westerwald um Kranke, Alte, Kinder und Arme gekümmert und die Ordensgemeinschaft der Dernbacher Schwestern, die „Armen Dienstmägde Jesu Christi“, gegründet; der in Ruppach-Goldhausen geborene Pallottinerpater Richard Henkes kam als Vertreter des christlichen Widerstandes gegen das Nazi-Regime ins KZ Dachau, wo er sich freiwillig im Quarantäneblock um Typhuskranke kümmerte und starb. Er wird in diesem Jahr in Limburg seliggesprochen.

Beide haben in ihrer je eigenen Weise, ihrer je eigenen Berufung ihre Nachfolge Christi mit allen Konsequenzen gelebt, erklärt der Pallottiner Holzbach. Dabei sei weder Henkes noch Kaspers Nachfolge zweifelnd oder „tastend“ gewesen, sondern ausgesprochen mutig. Denn sie wussten sich, so Holzbach, auf Gottes Weg. Und dadurch wussten sie, dass sie für ihre Mitmenschen handeln mussten - im Pro oder im Kontra, dass sie reden, vermitteln, versöhnen oder Widerstand leisten mussten. Die Fastenpredigtreihe im Limburger Dom steht in diesem Jahr unter dem Motto: „Wofür Christen sich einsetzen: Pro und Contra“. Der Liturgie bei der vierten und letzten Fastenpredigt für dieses Jahr stand Domkapitular Gereon Rehberg vor.

© Bistum LimburgDie Fastenpredigtreihe im Limburger Dom steht in diesem Jahr unter dem Motto: „Wofür Christen sich einsetzen: Pro und Contra“.

Katharina Kasper - hellwach, hochintelligent und willensstark

„Maria Katharina Kasper wusste, was sie wollte. Auch gegenüber dem Bürgermeister und dem Bischof. Keine falsche Demut. Das ist ein Aspekt ihrer Heiligkeit auf dem Fundament gelebter Nächstenliebe“, erklärt Holzbach. Ihr Engagement für Kinder, für Kranke oder für Mädchen trage Früchte bis heute. Sie habe schon damals erkannt: die beste Investition in die Zukunft von Menschen, die Prävention gegen Armut, ist Bildung. „Das erkennt und leistet eine Frau, die selbst keinen großen Anteil am Bildungsangebot ihrer Zeit nehmen konnte, die aber hellwach war, hochintelligent, willens- und entscheidungsstark“, sagt Holzbach, der selbst aus dem Westerwald stammt, über die Ordensgründerin. Aber nicht nur die Marienschule in Limburg zeuge von ihrer Vision der gelebten Nächstenliebe, für die sie weder die „soziale Frage“ diskutierte noch das politische System hinterfragte. Sie reagierte auf die Armut im Westerwald und die Nöte ihrer Mitmenschen. Und sie „handelte“. Schritt für Schritt.

Auch was andere Ordensfrauen wie die Vinzentinerinnen damals, die Nazareth-Schwestern und die Pallottinerinnen heute in dieser Region leisten und geleistet haben in ihrer Sorge um die Menschen, sei gar nicht hoch genug anzusetzen. Diese Nachfolge zielte und ziele darauf, erläutert Holzbach, dass Leben gelinge und blühe und nicht verkümmere. Mit diesem Ziel hat Holzbach auch seine Predigt überschrieben: „Damit Leben blüht, nicht verkümmert.“

Predigt zum Nachhören

Richard Henkes predigt gegen Menschenbild der Nationalsozialisten

Pater Richard Henkes besonderes Wirkungsfeld sei die Verkündigung gewesen - in der Schule, in der geistlichen Begleitung, in Exerzitien und in der Predigt. Henkes habe schon vor 1933 erkannt, dass das Menschenbild der Nationalsozialisten nicht kompatibel sei mit dem der Bibel und des Christentums, sagt Holzbach. „Da gibt es kein Oben-Unten-System mit Herrenmenschen und niederen Klassen. Da gibt es kein lebensunwertes Leben“, führt Holzbach aus. „Pater Henkes verkündet den freien Menschen, die starke Persönlichkeit, die ihren Wert und ihre Würde vom Schöpfergott hat und vom Erlöser und Bruder Jesus Christus. Wer ihm nachfolgt, nicht aus Zwang, nicht aus Tradition, sondern aus freier Entscheidung und persönlicher Überzeugung, dessen Leben gelingt und der bringt auch das Leben anderer zum Blühen. Das gelenkte Leben in der Masse, ist letztlich ein Leben, das verkümmert.“

Man kann das Zeugnis von Henkes als Teil des christlichen Widerstandes gegen das Naziregime deuten, so Holzbach. Als aus den berühmten Heilanstalten in Branitz, wo er als Pfarrer wirkte, die ersten Kranken abtransportiert wurden, habe er öffentlich gesagt: „Das ist Mord“. So verwundere es nicht, dass er inhaftiert wurde und ins  KZ Dachau kam. Als dort Ende 1944 Flecktyphus ausbrach und die SS Quarantänebereiche einrichtete, wo sie selbst nicht mehr reinging, sei die Frage gewesen:  „Wer kümmert sich um die elenden Kranken, Sterbenden, um die zu Gerippen abgemagerten Mitgefangen, auch tschechischen Mitgefangenen. Wer begleitet sie in den Tod? Die Gefahr und das nahe Ende des Krieges vor Augen hat Pater Henkes sich der Aufgabe gestellt und ist ihr am 22. Februar 1945 erlegen“, erzählt Holzbach, der sich intensiv mit dem Leben und Wirken Henkes auseinandergesetzt hat. Dabei werde selbst in den Briefen aus dem KZ deutlich, dass Henkes seinen Weg immer als Weg für Gott und mit Gott gesehen habe.

Neben Henkes gab es zehn andere Pallottiner, die in Dachau waren. Viele hätten damals aus ihrem Glauben heraus, aus „kirchlichem Gespür“  Distanz und Widerstand gelebt.

© Bistum LimburgDer Liturgie bei der vierten und letzten Fastenpredigt für dieses Jahr im Dom stand Domkapitular Gereon Rehberg vor.

Darüber hinaus stehe Henkes Lebenszeugnis für Versöhnung und Ausgleich zwischen Tschechen und Deutschen. In Schlesien, in Strandorf, wirkte er als Pfarrer und erlebte die Verwerfungen in Grenzgebieten und die ungeheuren Spannungen zwischen Deutschen und Tschechen

Nicht folgenlos Menschen der Kirchengeschichte bewundern

Trotz aller Verunsicherung - „nicht zuletzt auch durch die Lage der Kirche und der Gesellschaft in unseren Tagen“ - will Holzbach zum Glauben ermutigen.  Dabei helfe der Blick auf glaubwürdige Vorbilder: „Das tut gut und macht uns stark“, betont er. Schließlich solle man nicht folgenlos die Menschen der Kirchengeschichte bewundern. „Und diese Vorbilder gibt es nicht nur in der Vergangenheit, sondern auch heute. Blicken wir uns um, dann entdecken wir sie und dann haben wir Mut zum Pro und zum Kontra. Und das ist Aufgabe aller Getauften – zu ihrer Zeit, an ihrem Ort in den Herausforderungen des Hier und Heute“. Mit Sören Kierkegaard formuliert heiße es: „Christus will keine Bewunderer, sondern Nachfolger.“